Grammatik zu Text 2: Der Konjunktiv I
Vorbemerkungen:
1. Mit dem Indikativ wird die Aussage als etwas Wirkliches oder wirklich
Geglaubtes hingestellt.
2. Eine andere Aussageweise ist der Konjunktiv.
Der Konjunktiv I wird auch „Konjunktiv der indirekten Rede" oder „Konjunktiv der
fremden Meinung" genannt:
a) Indikativ Der Richter sagte: „Das glaube ich nicht"
b) Konjunktiv Der Richter sagte, er glaube das nicht.
oder
Der Richter sagte, dass er das nicht glaube.
In Beispiel a) wird die Rede wörtlich, d.h. genau so, wie etwas gesagt wurde
wiedergegeben (zitiert). Die unveränderte Rede wird in Anführungszeichen
(„ ...") wiedergegeben.
In b) wird die Rede „indirekt" wiedergegeben, d.h. jemand erzählt, was der ein anderer
(hier des Richters) gesagt hat. Es wird eine „fremde Meinung", die Rede eines anderen
wiedergegeben. Der Wortlaut muss nicht identisch sein.
Bildung der Formen
|
Indikativ |
Konjunktiv I |
|
a) er fährt |
er fahre |
|
b) er wird fahren |
er werde fahren |
|
c) er fuhr |
er sei gefahren |
|
er ist/ war gefahren |
er sei gefahren |
|
er sah |
er habe gesehen |
|
er hat/ hatte gesehen |
er habe gesehen |
Der Konjunktiv I hat drei Zeitformen: a) eine Gegenwartsform, b) eine Zukunftsform (auch Vermutung), c) eine Vergangenheitsform
I Bildung der Gegenwartsform
An den Infinitivstamm werden die folgenden Endungen gehängt:
|
Singular |
Plural |
|
|
1. Person |
-e |
-en |
|
2. Person |
-est |
-et |
|
3. Person |
-e |
-en |
Es entstehen folgende Formen:
|
Starkes Verb |
Schwaches Verb |
Verb mit Hilfs-e |
Modalverb |
Hilfsverb |
|
|
kommen |
planen |
schneiden |
dürfen |
haben |
werden |
|
ich komme* |
ich plane* |
ich schneide* |
ich dürfe |
ich habe |
ich werde |
|
du kommest |
du planest |
du schneidest* |
du dürfest |
du habest |
du werdest |
|
er komme |
er plane |
er schneide |
er dürfe |
er habe |
er werde |
|
wir kommen* |
wir planen* |
wir schneiden* |
wir dürfen* |
wir haben* |
wir werden* |
|
ihr kommet |
ihr planet |
ihre schneidet* |
ihr dürftet |
ihre habet |
ihre werdet |
|
sie kommen* |
sie planen* |
sie schneiden* |
sie dürfen* |
sie haben* |
sie werden* |
Die mit * gekennzeichneten Formen entsprechen dem Indikativ. Sie werden durch entsprechende Formen des Konjunktivs II ersetzt, damit man sie vom Indikativ unterscheiden kann. Ist der Konjunktiv II mit dem Präteritum identisch, wird meist mit würde + Infinitiv formuliert: Es entsehen folgende Reihen:
|
Starkes Verb |
Schwaches Verb |
Verb mit Hilfs –e |
Modalverb |
Hilfsverb |
|
ich käme |
ich plante |
ich schnitte |
ich hätte |
ich würde |
|
du kommest |
du plantest |
du schnittest |
du habest |
du werdest |
|
er komme |
er plane |
er schneide |
er habe |
er werde |
|
wir kämen |
wir planten |
wir schnitten |
wir hätten |
wir würden |
|
ihr kommet |
ihr planet |
ihre schnittet |
ihre habet |
ihr würdet |
|
sie kämen |
sie planten |
sie schnitten |
sie hätten |
sie würden |
Im Sprachgebrauch hält man sich nicht so streng an diese Regel. So wird zum Beispiel auch in der zweiten Person Singular und Plural oft der Konjunktiv II gebraucht: du kämest, ihr kämet.
Ausnahme: sein
Ich sei wir seien
Du sei(e)st ihr seiet
Er sei sie seien
II Bildung der Zukunftsform
1. Das Futur I wird mit den obigen Formen von werden und mit dem Infinitiv gebildet.
Ich würde kommen Wir würden kommen
Du werdest kommen Ihr würdet kommen
Er werde kommen Sie würden kommen
II Bildung der Vergangenheitsformen
Die Vergangenheitsform wird mit den obigen Formen von haben bzw. sein und dem Partizip Perfekt gebildet:
Ich sei gekommen Ich hätte geplant
Du sei(e)est gekommen Du habest geplant
Exkurs: Konjunktiv II
Den Konjunktiv II nennt man auch „Konjunktiv irrealis" oder auch „Konjunktiv der Nichtwirklichkeit":
a) Indikativ :Er ist krank, er kann dir nicht helfen
b) Konjunktiv II: Wenn er gesund wäre, könnte er dir helfen.
In Beispiel a) handelt es sich um eine Tatsache, in b) um einen Wunsch, eine Vorstellung, also um etwas Nichtwirkliches.
Bildung der Gegenwartsform
1. starke Verben
An die Stammform des Präteritums werden folgende Endungen gehängt:
|
Singular |
Plural |
|
|
1. Person |
-e |
-en |
|
2. Person |
-est |
-et |
|
3. Person |
-e |
-en |
Bei den Stammvokalen a, o, u, bildet man die Umlaute ä, ö, ü:
|
Infinitiv |
Indikativ - Präteritum |
Konjunktiv II |
|
sein |
war |
Ich wäre, du wär(e)st, er wäre |
|
bleiben |
blieb |
Ich bliebe, du bliebest, er bliebe |
|
fahren |
fuhr |
Ich führe, du führest, er führe |
|
kommen |
kam |
Ich käme. Du kämest, er käme |
|
ziehen |
zog |
Ich zöge, du zögest, er zöge |
2. Schwache Verben
Die Gegenwartsformen des Konjunktivs II entsprechen den Formen des Präteritum Indikativ. Es wird kein Umlaut gebildet.
|
Infinitiv |
Indikativ Präteritum |
Konjunktiv II Gegenwartsformen |
|
fragen |
fragte |
Ich fragte, du fragtest, er fragte |
|
sagen |
sagte |
Ich sagte, du sagtest, er sagte |
3. Ausnahmen
a) Die Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, die Mischverben denken, bringen, wissen und die Hilfsverben haben und werden haben im Konjunktiv II einen Umlaut
|
Infinitiv |
Indikativ Präteritum |
Konjunktiv II Gegenwartsform |
|
bringen |
brachte |
Ich brächte, du brächtest, er brächte |
|
haben |
hatte |
Ich hätte, du hättest, er hätte |
|
können |
konnte |
Ich könnte, du könntest, er könnte |
|
werden |
wurde |
Ich würde, du würdest, er würde |
Gebrauch des Konjunktivs I
I Die indirekte Rede
|
Direkte Rede |
Indirekte Rede |
|
In der Wahlnacht spricht der Parteivorsitzende. Er sagt: |
Ein Journalist berichtet. Der Parteivorsitzende sagte, |
|
a) „Wir können stolz sein auf unseren Erfolg" |
dass sie stolz auf ihren Erfolg sein könnten. Sie könnten stolz sein auf ihren Erfolg sein. |
|
b) „Ihnen, liebe Parteifreunde", danke ich herzlich" |
Er danke seinen Parteifreunden herzlich |
Zu a)
1. Die indirekte Rede kann mit einem dass-Satz eingeleitet werden.
2. In der indirekten Rede ändern sich die Pronomen sinngemäß. Dabei ist besonders zu beachten a) wer spricht, b) zu wem oder von wem gesprochen wird c) gegebenenfalls wer die Rede wiedergibt
II Die indirekte Frage
|
Direkte Frage |
Indirekte Frage |
|
Er fragt: |
Er fragt, |
|
a) "Gehst du morgen zur Wahl?" |
ob ich morgen zur Wahl ginge |
|
b) "Wann gehst du zum Wahllokal?" |
wann ich zum Wahllokal ginge |
|
c) "Welche Partei willst du wählen?" |
welche Partei ich wählen wolle |
Die Frage wird in der indirekten Rede als Nebensatz wiedergegeben
a) Bei Fragen ohne Fragewort wird die Konjunktion ob verwendet
b) Bei Fragen mit Fragewort wird dasselbe Fragewort oder das erweiterte Fragewort als
Konjunktion verwendet
III Der Imperativ in der indirekten Rede
|
Direkter Imperativ |
Indirekter Imperativ |
|
a) "Reg dich doch bitte nicht so auf" |
Er bat mich, ich möge mich nicht so aufregen. |
|
b) "Hört auf über das Wahlergebnis zu diskutieren |
Er befahl uns, wir sollten aufhören über das Wahlergebnis zu diskutieren. |
Der Imperativ in der indirekten Rede wird durch Modalverben wiedergegeben
a) Bei einer höflichen Rede gebraucht man mögen
b) bei einer Aufforderung oder einem Befehl gebraucht man sollen.
Grammatikregeln aus: Dreyer / Schmitt: Lehr- und Übungsbuch der deutschen
Grammatik. Ismaning: Max Hüber Verlag 2000.
a) Text 2 : "Das erste Stück Schokolade"
b) Sprache und Grammatik: Übungen zum Konjunktiv